Zur Begrüßunsseite Home -> Infos zu KDV / Zivildienst / Freiwilliges Jahr -> NS-Erbe Wehrpflicht - NS-Entlastung Wehrpflicht

 

NS-Erbe Wehrpflicht - NS-Entlastung Wehrpflicht

Ein Rückblick auf die Anfänge der EAK-Arbeit

Auszug aus den Seiten 35 bis 42

... Hitlers Wehrpflicht war nicht nur ein wichtiger Teil seiner Kriegspolitik, die zwar durch Friedensversprechen getarnt wurde, aber im Nachhinein nur zu deutlich ist. Beim Auf-und Ausbau der neuen Armee wurde zudem darauf geachtet, dass die Wehrmacht im Sinne der Nationalsozialisten zuverlässig wurde. Das Gesetz zur Neuordnung des Berufsbeamtentums bewirkte, dass bereits die Beförderung zum Leutnant von einer Beurteilung abhängig war, die ausdrücklich ein aktives Eintreten für den Nationalsozialismus bescheinigte. Ohne diesen Vermerk in der Personalakte durfte niemand mehr Offizier oder Beamter werden. Die Wehrmacht wurde zudem auf den »Führer und Reichskanzler Adolf Hitler« mit einem »heiligen« Eid verpflichtet. Die Wehrpflichtarmee "war NS-Armee. Wer kein aktiver Nazi war, hatte als einfacher Soldat oder Unteroffizier zu gehorchen. Wer jüdische Vorfahren hatte, flog aus der Armee, wer nur einen jüdischen Großelternteil hatte, wurde zwar auf Grund der Wehrpflicht eingezogen, konnte aber nicht einmal Unteroffizier werden. Trotzdem war es in den Kirchen kein Problem, Soldat zu werden, und viele Pfarrer wurden sogar Offiziere. Das Mitmachen im Krieg war trotz aller Gräuel für sie und die Wehrmachtspfarrer kein Problem. Dass es für Theologen wie für die Mennoniten die Möglichkeit gab, wenigstens nur zum Sanitätsdienst herangezogen zu werden, war so gut wie unbekannt, wurde jedenfalls kaum in Anspruch genommen.

Die Ernüchterung kam erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit den großen Zerstörungen und dann mit dem Bekanntwerden der schlimmsten Gräuel, die im Schutz militärischer Geheimhaltung verübt worden waren. Letztlich hat erst die Wehrmachtsausstellung in der Breite bewusst gemacht, was der Dienst in der Wehrmacht bedeutet hat. ...

Die faktische Freisprechung vom NS-Unrecht war dann aber drittens die erneute Einführung der Wehrpflicht. Theodor Heuss hatte bei den ersten Diskussionen über die Kriegsdienstverweigerung gemeint, die Wehrpflicht sei das legitime Kind der Demokratie. Das stimmte zwar historisch nur sehr bedingt, denn sie war in Frankreich zunächst nur Notmaßnahme, der Aufruf zur Levee en masse ein Aufruf zum freiwilligen Verteidigen der Revolution. Heuss hatte auch weder bei den Verfassungsberatungen in Südwürttemberg noch im Parlamentarischen Rat seine Kollegen überzeugt, wurde nun aber von der Bundeswehrseite ständig zitiert. Warum? Meine Einschätzung ist, dass sie dachte: Wenn die Wehrpflicht demokratisch ist, fordert diese also nur die Erfüllung einer demokratischen Pflicht, und man kann niemand zum Vorwurf machen, dass er dieser Pflicht nachgekommen ist. Was die Propaganda der Generäle Hitlers behauptete, wurde durch die Wehrpflicht sozusagen beglaubigt. Ausgerechnet Hitlers Kriegsvorbereitung wurde damit nachträglich zur Entlastung aller, die dabeigewesen waren und direkt oder indirekt bei den Kriegsverbrechen mitgemacht hatten. ...


Ulrich Finckh: Vom heiligen Krieg zur Feindesliebe Jesu. Beiträge zu Rechtsstaat und Friedensethik,
Radius-Verlag Stuttgart 2011, 197 Seiten, 16 Euro.
[Zum Anfang] 
[Zurück