Geschichte

Die ersten Tage

Die Markomannia ist zusammen mit der Cimbria aus der Germania hervorgegangen. Am 9. Februar des Jahres 1901 wurde die Teilung der Germania beschlossen und auf dem Convent am 14. Februar 1901 im Lokal Wielers in der Rosenstraße wurden die Namen derjenigen Germanen verlesen, die den beiden neuen Korporationen angehören wollten. 28 von ihnen tagten sogleich unter der Leitung des ältesten Semesters cand. theol. Maring im kleinen Saal auf dem Gründungsconvent der Markomannia.

Einen Vorstand wählte man nicht (es stand das Semesterende bevor), sondern bestimmte zum Senior cand. math. Hubert Schulte.

Folgende Namen wurden vorgeschlagen: Amisia, Brukteria, Markomannia, Ripuaria, Silesia und Suevia. Der Name Markomannia wurde einstimmig gewählt.

Für die Wahl der Vereinsfarben schlug man vor: grün-gold-schwarz, schwarz-gold-rot, grün-weiß-blau, moosgrün-weiß-rosa. Die Kombination schwarz-gold-rot wurde gewählt.

Das neue Vereinslokal war das Hotel "Moormann" (später Fürstenhof, Marienplatz) und hier tagte am folgenden Tag ein Convent, auf dem der Zirkel festgelegt und "viriliter age" als Wahlspruch gewählt wurde. Kartellbruder Niessen entwarf das Wappen und Bb stud. theol. Karl Meyer verfasste das (heute leider verschollene) erste Vereinsbundeslied.

Am 31. Juli 1901 fand die Publikation im Rahmen eines Festes statt. Am Ende des Semesters musste die Kneipe "Moormann" geräumt werden und man fand vorübergehend Unterkunft bei "Stieger" am Alten Fischmarkt.

Ein neues Domizil fand sich in der ersten Etage der "Alten Börse" am Prinzipalmarkt (heute Geschäftsstelle des Münsterischen Anzeigers / Westfälischen Nachrichten).

Im SS 1902 feierte die Markomannia ihr erstes Stiftungsfest, im Wintersemester wurde der Nikolaustag mit einer Nikolauskneipe zum Hauptfest. Die Bälle wurden zunächst zusammen mit den anderen KV-Vereinen gefeiert, jedoch emanzipierte sich Markomannia schon 1903 von ihnen und feierte eigene Feste.

Die Philister begannen sich im WS 1902/03 zu organisieren und gründeten nach der Eröffnung der "Philisterkasse" im WS 1905/06 den Philisterverein Markomannia, dessen erster Vorsitzender Vikar Heinrich Hemme war, der auf dem Philisterconvent am 5. April 1919 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.

Das heutige Bundeslied wurde vom Convent am 16. Dezember 1903 angenommen (getextet von Ehrenmitglied Dr. Heinrich Dietrich).

Im November 1906 musste auch die "Alte Börse" geräumt werden. Mit dem Umzug ins Kaffee Steiner (später Schucan, heute Buchhandlung Phoenix) wurde die Hausbaukasse gegründet.

Konsolidierung und Hausbau

Seit dem 11. Semester wurden Semesterberichte gedruckt und herausgegeben. Nachdem die Philisterkasse die Kosten übernommen hatte, erschienen diese auch regelmäßig als Jahresberichte vom WS 1909/10 an. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges erhielten sie den noch heute gebräuchlichen Namen "Mitteilungen der Markomannia".

Im Juli 1906 zog die Markomannia erneut in den Münsterschen Hof um, der mit einer eigenen Kneipausstattung, die nachher mit auf das Haus genommen wurde, ausgestattet war.

Seit dem WS 1904/05 verkehrte man auch regelmäßig im "Bullenkopp", in dem ein zwangloseres Zusammensein möglich war. Hier erhielt die Markomannia im WS 1905/06 einen eigenen Tisch mit Gravurplatte. Diese Tischplatte füllte sich rasch mit den Namen der Bundesbrüder (damals gravierten sich auch alle Aktiven), so dass sie 1920 mit auf das Markomannenhaus genommen wurde, wo sie noch heute unsere Kellerkneipe ziert.

1908 mietete die Markomannia eine Etage in der Norbertstraße 1 für 1.200 Mark/Jahr, die in Eigenarbeit renoviert wurde und mit den Möbeln aus dem "Münsterschen Hof" ausgestattet wurde.

Im WS 1909/10 schaffte der Verein den Vollwichs ab und chargierte von da an im Salonwichs. Eine Reformkommission sollte im SS 1910 das Vereinsleben alkoholfreier und sportlicher gestalten.

Zum 1. April 1911 wurde das Mietverhältnis seitens des Hauswirtes gekündigt. Die Hausbaufrage wurde somit wieder akut. Am 26. Juni 1910 fasste man den Beschluss: "Der Markomannentag erklärt sich einstimmig für den Bau eines Hauses, vorbehaltlich der Regelung der Geldfrage".

Für 31.500 Mark wurde das heutige Grundstück von dem am 13. September 1910 kurzerhand - für einen Grundbucheintrag ist eine "juristische Person" notwendig - gegründeten Hausverein e.V. gekauft.

Nach dem ersten Spatenstich Mitte März 1911 kam es zur Grundsteinlegung am 30. April 1911 durch Dr. Konrad Meyer. Der Grundstein enthält u.a. ein Jahrbuch, ein festliches Dokument und Biermarken.

Das Mietverhältnis auf der Etage konnte bis zum 1. Oktober verlängert werden und nach der letzten dortigen Examenskneipe am 30. September wurde das neue Haus mit einer Kneipe am 5. November 1911 eingeweiht. Die gesamten Baukosten des Hauses beliefen sich mittlerweile auf 80.000 Mark.

Der erste Weltkrieg

Während des Krieges konnte mit wenigen Bundesbrüdern der Vereinsbetrieb aufrechterhalten werden. Dem Krieg fielen 29 Bundesbrüder zum Opfer. Als im November 1918 die Truppen in Münster Unterkunft suchten und öffentliche Gebäude benutzten, bot sich die Markomannia als Unterkunft des katholischen Lyzeums an.

Zwischen den Kriegen

Im WS 1918/19 begann man langsam wieder mit dem geregelten Vereinsbetrieb unter der Leitung des Ordners Ludwig Spangenberger. Um auch im AStA Einfluss zu nehmen, gründeten die Münsteraner Korporationen den "Hochschulring Deutscher Art" (HDA) am 24. Februar 1921 auf dem Markomannenhaus.

Die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage in den Nachkriegsjahren ging auch an Markomannia nicht spurlos vorüber. Als die Reichswehr in der Zeit der Ruhrbesetzung 1.200 Nothelfer benötigte, um die militärischen Läger Münsters zu räumen, stellte sich die gesamte Aktivitas zur Verfügung. Die Instandhaltung des Hauses gestaltete sich als sehr kostspielig und so wurde mit viel Eigenarbeit und Spenden von Bundesbrüdern, die im Ausland tätig waren, das Nötigste getan. Besonders zu erwähnen ist hier Bb Georg Bauwens, der aus den USA großzügige Dollarspenden tätigte. Von ihm stammt auch der auf Leder gestickte Markomannenzirkel, der noch heute auf dem Haus hängt und damals von einer Indianerin angefertigt wurde.

In diese Zeit der Geldentwertung fiel der Bau des Bootshauses 1923. Hierzu wurde von der Sparkasse ein Darlehen von 10.000.000 Mark aufgenommen. Nach der Umstellung zur Rentenmark im November 1923 wurde der Vorstand der Sparkasse aufgesucht, um das Darlehen mit dem Gegenwert von einem Rentenpfennig zu begleichen. Die Sparkasse verzichtete allerdings dankend.

Kurz nach dem 25. Stiftungsfest 1926 starb der als stud. jur. aktiv gewesene Kunstmaler Karl Strunk im Alter von 44 Jahren. Aus seinem Nachlass erhielten wir ein Alpenmotiv, das auch jetzt noch auf dem Hause zu bewundern ist.

Die Erlöse vom 25. Stiftungsfest wurden zum Kaufe zweier Paddelboote genutzt. Man nannte sie "Natz" und "Dick" nach den Beinamen der Hausvereins‑ und Altherrenvereinsvorsitzenden Dr. Bernhard "Natz" Salzmann und Dr. Wilhelm "Dick" Drolshagen. 1928 stifteten die Münsteraner AHAH zwei weitere Paddelboote "Mucki" und "Mariechen", nach Frau Salzmann und Frau Drolshagen.

Im WS 1931/32 kam es zur ersten größeren Renovierung des Hauses.

Die NS-Zeit

Ab 1933 waren viele Bundesbrüder NS-Organisationen beigetreten, um weiterstudieren zu können, so dass für das Korporationsleben kaum Zeit blieb. Um die Auflagen, die das NS-Regime an die Korporationen stellte, erfüllen zu können, entschloss man sich, mit der Tuiskonia zu fusionieren, was am 15. April 1934 verwirklicht wurde.

Aus Finanznot wurde das Haus 1936 an den Arbeitsdienst vermietet. Allen Studenten, die in NS-Organisationen waren, wurde am 13. Juni 1936 verboten, in einer katholischen Korporation tätig zu sein. So wurde im Einverständnis mit der Altherrenschaft die Aktivitas der Markomannia-Tuiskonia am 25. Mai 1936 aufgelöst. Alle ehemals Aktiven wurden aber Mitglieder im Hausverein.

Die Markomannen-Mitteilungen konnten nicht mehr in der Druckerei der Regensbergschen Buchhandlung gedruckt werden, da diese nach illegalem Druck der Predigten des Kardinals von Galen von der Gestapo beschlagnahmt wurde.

Am 18. September 1937 fand die letzte gemeinsame Veranstaltung in Düsseldorf statt.

Um einer Enteignung vorzubeugen, legte der Hausvereinsvorstand seine Ämter nieder, so dass das Hausvereinsvermögen an die Mitglieder fiel. Als diese schriftlich aufgefordert wurden, ihren Anteil an den Staat abzutreten, wurde dieser Brief von keinem beantwortet. Die zur Vollstreckung beauftragten Rechtsanwälte unternahmen nichts und der Hausverein e.V. blieb somit Eigentümer des Hauses.

Im 2. Weltkrieg fielen 34 Bundesbrüder.

Nach dem 2. Weltkrieg

In einer Mitgliederversammlung wurde der Hausverein e.V. gemäß der "Verordnung vom 15. September 1947 zur Wiederherstellung aufgelöster Vereine unter" dem alten Vorstand am 25. Oktober 1947 rekonstruiert. Am 12. Dezember 1950 wurde uns schließlich das Haus zurückgegeben.

1950 fusionierte der Altherrenverein Markomannia-Tuiskonia mit der ursprünglich in Göttingen 1939 gegründeten aktiven Monasteria zur Markomannia-Tuiskonia-Monasteria. Aus diesem Bund, in dem sich viele Söhne von Markomannen befanden, schied die Markomannia am 9. Februar 1952 in der Ratsschänke wieder aus und wurde noch am selben Tage selbständig.

Das Markomannenhaus war zu dieser Zeit von drei Familien bewohnt. Die Instandsetzung der freien Räume wurden von Bb Architekt Eberhard Michael Kleffner vorbereitet. Die Errichtung der Aktivitas wurde der Universität am 11. Februar 1952 gemeldet. Der Hausverein und Altherrenverein stand unter dem Vorsitz von Bb Landeshauptmann Dr. Bernhard "Natz" Salzmann; eine Büste von ihm befindet sich als Dank für seine großen Verdienste auf dem Markomannenhaus. Die Aktivitas begann die Vereinsgeschäfte im SS 1952 unter dem Wiedergründungssenior cand. med. Viktor Egen. Auf der außerordentlichen VV 1952 in Königswinter wurde die Markomannia einstimmig in den KV aufgenommen.

Am 1. September 1953 übernahmen Anton "Tönne" Hartmann und seine Frau Gertrud die Faxenstelle.

1955 wurde von der Markomannia zum ersten Male das Vorortspräsidium mit dem Vorortspräsidenten Dr. Viktor Egen gestellt. Im Sommersemester 1956 fuhren die Markomannen zum ersten Mal auf die Hegge, was inzwischen schon eine über fünfundvierzigjährige Tradition ist. Im SS 1957 wurde die Ahnengalerie im Conventsraum begonnen.

Der AStA bestand zu dieser Zeit überwiegend aus Mitgliedern katholischer Korporationen, dem Katholischen Hochschulring (KHR).

1959 wurde der Vorsitz des Altherrenvereines nach dem Tode von Bb Landeshauptmann Dr. Bernhard "Natz" Salzmann mit Bb Rechtsanwalt und Notar Wilhelm "Wihu" Huntgeburth neu besetzt. In diesem Semester hatte die Markomannia eine so große Aktivitas wie nie zuvor: 91 Aktive, davon 61 in loco!

Im SS 1962 bekam der Altherrenverein wieder einen neuen Vorsitzenden, Bb Oberstadtdirektor Heinrich Austermann, Bb Wilhelm "Wihu" Huntgeburth wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Die Markomannia der Neuzeit

Mitte der sechziger bis Ende der siebziger Jahre nahm das Vereinsleben - beeinflusst vom Wandel in der Gesellschaft - andere Formen an. Man feierte nicht minder stilvoll als in den Vorjahren, doch waren traditionelle Kneipen und Kommerse nicht die Form der Feier, sondern das gepflegte Beisammensein auf Herrenabenden und Empfängen auf dem Haus. Das Vereinsleben gestaltete sich ungezwungener, aber trotzdem nicht weniger niveauvoll.

Zu einer Belebung der alten Traditionen kam es wieder gegen Ende der 70er Jahre. 1976 wurde Dr. Viktor Egen sen. zum Vorsitzenden des Altherrenvereines gewählt.

Sein Sohn, cand. med. Bernhard "Bulli" Egen, übernahm mit vier Bundesbrüdern als Vorortspräsident 1982 als zweiter Markomanne den Aktivenvorsitz im KV.

Am 20. September 1991 verstarb die bis dahin vielen Generationen von Markomannen ans Herz gewachsene Frau Hartmann, die ungezählte Geheimnisse mit ins Grab genommen hat. Sie wurde in Anwesenheit einer Chargenabordnung und einer großen Zahl von nah und fern herbeigeströmter Markomannen zu Grabe getragen.

Im gleichen Jahr wurde eine erneute große Renovierung von Keller‑ und Wohnetage durchgeführt, an der viele Bundesbrüder sowohl durch finanzielles als auch durch tatkräftiges Engagement beteiligt waren.

Im SS 1994 gab Bb Dr. Viktor Egen sen. den Stab des Altherrenvereinsvorsitzes weiter an Bb OStD Karl-Eberhard "Epi" Zangerl; gleichzeitig wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Seit dem SS 1996 ist die Markomannia mit einer Webseite im Internet vertreten.

Der vorher schon zitierte Staffelstab des Philisterseniors befindet sich nun seit dem WS 1999/2000 in den Händen von Bb Dr. Bernhard "Bulli" Egen.

Unter der Leitung des Bb stud. rer. pol. Marc-Albert Josef Kuntz fand am Pfingstfest 2001 in den Räumlichkeiten des fürstbischöflichen münsterischen Schlosses das prachtvolle 100. Stiftungsfest statt. - Ein Fest von dem viele Bundesbrüder und Gäste noch lange schwärmen werden.

Der Jahreswechsel 2002/03 brachte eine positive Zäsur von bedeutender Tragweite mit sich: Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört - Die gesamte Altherrenschaft des KStV Tuiskonia-Monasteria trat unter Beibehaltung ihrer korporativen Identität als B-Philister der Markomannia bei. Damit vergrößerte sich die Altherrenschaft der Markomannia um fast die Hälfte auf 490 Personen. Die Verhandlungen im Vorfeld verliefen schnell und zielstrebig, alle Beteiligten waren sich schnell darüber einig, dass eine gemeinsame Zukunft für beide Vereine eine sehr fruchtbare Zukunt bedeuten kann. - Es liegt nun an den Vorständen von Aktivitas und Alherrenschaft(en), durch die Auswahl der Veranstaltungen die gemeinsame Basis für das weitere Zusammenwachsen innerhalb der Markomannia zu verbreitern, nachdem die strukturellen Entscheidungen getroffen und umgesetzt wurden. Wünschen wir ihnen dabei eine glückliche Hand!