Das wilde Heer

  1. Das war der Herr von Rodenstein, der sprach: "Dass Gott mir helf',
    gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?.
    Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Herr Wirt, dass Gott mir helf',
    ¦:gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?":¦
  2. Er ritt landauf, landab im Trab, kein Wirt liess ihn ins Haus;
    todkrank noch seufzt vom Gaul herab er in die Nacht hinaus:
    "Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Herr Wirt, dass Gott mir helf',
    ¦:gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?":¦
  3. Und als mit Spiess und Jägersrock sie ihn zu Grab gethan,
    hub selbst die alte Lumpenglock' betrübt zu läuten an:
    "Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Herr Wirt, dass Gott mir helf',
    ¦:gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?":¦
  4. Doch, wem der letzte Schoppen fehlt, den duld't kein Erdreich nicht;
    drum tobt er jetzt, vom Durst gequält, als Geist umher und spricht:
    "Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Herr Wirt, dass Gott mir helf',
    ¦:gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?":¦
  5. Und alles, was im Odenwald sein' Durst noch nicht gestillt,
    das folgt ihm bald, das schallt und knallt, das klafft und stampft und brüllt:
    "Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Herr Wirt, dass Gott mir helf',
    ¦:gibt's nirgend mehr 'nen Tropfen Wein des Nachts um halber zwölf?":¦
  6. Dies Lied singt man, wenn's auch verdriesst, gestrengem Wirt zur Lehr';
    wer zu genau die Herberg schliesst, den straft das wilde Heer:
    "Raus da! Raus da, aus dem Haus da! Rumdiridi, Freijagt! Heidiridoh, Freinacht!
    Hausknecht, hervor! öffne das Thor!
    ¦:Raus, raus, raus!":¦

Worte: Joseph Viktor von Scheffel.
Weise: Christoph Schmezer.

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